Über zweieinhalb Jahre wurde emsig verhandelt, nun konnten sich die Unterhändler von EUParlament und -Mitgliedsstaaten auf einen Kompromiss einigen: Die sogenannte
Kleinanlegerstrategie soll den EU-Bürgern künftig mehr Sicherheit, Transparenz und Fairness
bescheren, wenn sie Geldanlageprodukte kaufen. Im Kern sollen sie vor einer Transaktion
leichter verständliche Informationen erhalten. Zudem werden „Finfluencer“ – also Influencer, die
Finanztipps geben – und ihre Kooperationen mit Produktgebern stärker reguliert.
Ein von manchen Verhandlern gefordertes generelles Provisionsverbot wird es nicht geben. Die
Transparenzanforderungen im Rahmen der Provisionsabrechnung werden jedoch deutlich
verschärft. Im Gegenzug soll mehr Flexibilität für Berater geschaffen werden, indem die
Geeignetheitsprüfung für bestimmte Produkte entschlackt wird.
Nicht alle Marktteilnehmer sind mit den getroffenen Vereinbarungen glücklich. So fand etwa der
Hauptgeschäftsführer des deutschen Fondsverbands BVI, Thomas Richter, gegenüber dem
Finanzmagazin procontra deutliche Worte: „Die EU hat die Chance vertan, ein überflüssiges
Gesetzesvorhaben und damit neue Bürokratie zu verhindern. Die Kleinanlegerstrategie
verursacht mehr Aufwand als Nutzen, und praktisch alle Beteiligten sind mit ihr unzufrieden.“